Die Requisiten eines Lebens.

von Antje Petershagen – 02. Oktober 2026

Vor ein paar Tagen bin ich über den Ausdruck „Requisiten der Einsamkeit“ gestolpert und an dem Wort Requisiten hängen geblieben.
Es gehört ins Theater. 
Requisiten stehen auf der Bühne, werden in die Hand genommen, abgelegt, weitergereicht, verschwinden hinter dem Vorhang und tauchen in einer anderen Szene wieder auf, und manches von dem, was vollkommen nebensächlich aussieht, erzählt mehr über eine Figur als ein langer Monolog.
Und ein Leben?
Auch ein Leben sammelt seine Requisiten.
Eine Tasse mit einem Sprung. Ein Schlüssel zu einer Tür, die es längst nicht mehr gibt. Das Rezept in einer Handschrift, die man unter Hunderten erkennen würde. Ein Stein, irgendwann an irgendeinem Meer aufgehoben, bei dem wir selbst nach Jahrzehnten noch wissen, wie der Wind an diesem Tag war. Ein Kleid, das seit Jahren nicht mehr passt. Eine Postkarte, ein Werkzeug, ein alter Kochlöffel, eine Eintrittskarte zwischen den Seiten eines Buches. 
Manches davon würde ein anderer Mensch wahrscheinlich wegwerfen, ohne lange darüber nachzudenken.
Er kann nicht wissen, dass an dieser Tasse ein bestimmter Morgen hängt, an dem Schlüssel eine Wohnung, in der wir einmal glücklich waren, und an dem zerknitterten Rezept die Hand eines Menschen, dessen Stimme wir noch immer hören können.
Ich denke darüber nach, was in einem Museum meines eigenen Lebens liegen müsste, und vermutlich wären es nicht die Dinge, die von außen betrachtet besonders wertvoll oder besonders schön erscheinen. Es wären die unscheinbaren Dinge, die geblieben sind, obwohl längst niemand mehr erklären könnte, weshalb man sie aufgehoben hat, außer dem Menschen, zu dessen Leben sie gehören.
Die Requisiten.
Welche Requisite deines Lebens dürfte niemand wegwerfen, obwohl sie für einen anderen Menschen vollkommen wertlos aussieht?

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