Hinter jeder Diagnose steht ein Mensch.
von Antje Petershagen – 15. Oktober 2026Und manchmal gerät genau das aus dem Blick.
Heute, am 15. Oktober, ist „Berührungsräume“ seit einem Jahr auf dem Markt.
Als ich dieses Buch geschrieben habe, wollte ich von Menschen erzählen, deren Leben durch Krebs oder eine genetische Disposition plötzlich eine andere Richtung genommen hat, von Angst und Hoffnung, Wut und Trauer, von Beziehungen, die sich verändern, von schwierigen Entscheidungen und von der Frage, wie ein Leben weitergeht, wenn vieles, was bis dahin selbstverständlich war, plötzlich nicht mehr selbstverständlich ist.
In diesem ersten Jahr hat das Buch auch mein eigenes Denken verändert.
Es hat mich zu vielen Menschen und ihren Geschichten geführt, zu Gesprächen, Podcasts, Magazinen und Zeitschriften, zur „Nacht der Redner“ mit Marion Haupt, zu einer gemeinsamen Artikelserie mit Monika Hesse-Haake, zu Kerstin Rauch, Rolf Stuppardt und vielen anderen. Leider ist das Taggen gerade nicht möglich.
Mit jeder dieser Begegnungen ist eine Frage größer geworden, die mich schon beim Schreiben beschäftigt hat. Was brauchen Menschen, wenn das Leben sie aus ihrer bisherigen Spur wirft?
Krebs ist ein solcher Einschnitt, doch die Fragen, die mit einer Erkrankung auftauchen, gehören nicht allein zur Krankheit. Sie begegnen uns auch nach einem Verlust, einer Trennung, beim Älterwerden, in beruflichen Veränderungen oder an einem Abschied, manchmal auch mitten in einem scheinbar ganz normalen Leben, wenn wir bemerken, dass das, was lange gepasst hat, nicht mehr zu dem Menschen passt, der wir inzwischen geworden sind.
Wer bin ich jetzt? Was ist mir wichtig geworden? Wie möchte ich die Zeit, die vor mir liegt, verbringen?
Meine Arbeit hat ihre Wurzeln in der Medizin und Psychoonkologie, dort sind auch die Berührungsräume entstanden, und gleichzeitig merke ich nach diesem ersten Jahr immer deutlicher, wie weit diese Fragen ins Leben hineinreichen.
Mein Denkraum ist größer geworden. Das hätte ich vor einem Jahr, als ich mein Buch zum ersten Mal in den Händen hielt, nicht vorhersehen können.
Heute bin ich vor allem dankbar für die Menschen, die mir ihre Geschichten erzählt haben, für die Gespräche, die aus diesem Buch entstanden sind, und für all das, von dem ich noch nicht weiß, wohin es führen wird. Denn dieser Gedanke ist geblieben, hinter jeder Diagnose, hinter jeder Lebenskrise und hinter jeder Veränderung steht ein Mensch mit seiner ganz eigenen Geschichte.
#Berührungsräume #Psychoonkologie #Psychoonkologie20 #Lebensfragen #Survivorship #KommunikationInDerMedizin