Über Gewissheit & Kontrolle
von Antje Petershagen – 18. September 2026„Ich möchte einfach Gewissheit.“
Diesen Satz höre ich häufig in meiner Arbeit, aber ich kenne ihn auch von mir selbst.
Nach einer Krebserkrankung kann er sehr verständlich sein.
Noch eine Untersuchung, noch ein Blutwert, noch eine Bildgebung. Noch einmal nachsehen, nicht unbedingt, weil medizinisch etwas dafürspricht, sondern weil dieses kleine Wort so verlockend klingt.
Gewissheit.
Wenn ich nur noch einmal kontrolliere, denke ich.
Wenn ich nur sicher weiß, dass wirklich nichts ist.
Wenn ich nur diesen einen Befund bekomme, dann kann ich endlich wieder leben.
Das Schwierige daran ist, Medizin kann vieles klären. Aber sie kann uns nicht versprechen, dass niemals wieder etwas geschehen wird.
Und irgendwann stellt sich deshalb eine andere Frage.
Nicht mehr, wie bekomme ich endlich Gewissheit, sondern, wie möchte ich leben, obwohl ich sie nicht bekommen kann?
Das ist keine Aufforderung auf Untersuchungen zu verzichten oder Angst einfach auszuhalten.
Es ist eine andere Art, über Sicherheit nachzudenken. Sicherheit kann bedeuten, möglichst viel kontrollieren zu können. Sie kann aber auch darin liegen, sich selbst zuzutrauen, mit dem umzugehen, was kommt.
Ich finde, zwischen diesen beiden Formen von Sicherheit liegt ein großer Denkraum.
Und genau dort beginnt wieder etwas, das sich nach Leben anfühlt.
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