Die Kunst des Weglassens

von Ulrike Scholz – 15. Oktober 2026

„Viel hilft viel.“ So sind wir aufgewachsen, so wurden wir geprägt.

Wir tackern dem kleinen Kind Stützräder ans Fahrrad, damit es nicht hinfällt.
Und beim Fleischer hören wir: „Darf’s ein bisschen mehr sein?“

Auch im Erwachsenenleben halten wir uns gern daran: Wenn ich noch mehr tue, noch mehr leiste, werde ich mehr anerkannt. Ich verdiene mehr Geld. Ich bin wichtig.

Aber stimmt das überhaupt?

Vor einer Weile las ich an einer Hauswand:
„Das Zuviel ist das Problem!“

Dieser Satz hat mich inspiriert, einmal in die andere Richtung zu schauen: auf das Weglassen.

Gerade jetzt, nach zwei Jahren Selbstständigkeit, frage ich mich:
Was trägt wirklich? Was ist Beiwerk? Was treibt mich an? Was macht mir Freude? Was hat einmal gepasst und darf jetzt ausgedient haben?

Und so habe ich mich zunächst schweren Herzens von einem Gruppenangebot getrennt, das sich nicht mehr stimmig angefühlt hat.

Nachdem die Entscheidung gefallen war, fühlte es sich plötzlich frei und leicht an.
Wie wenn man den Kleiderschrank ausmistet und Dinge aussortiert, die zwar noch passen, die man aber nicht mehr trägt.

Platz schaffen und ihn nicht sofort wieder füllen müssen.

Außerdem habe ich eine Not-To-Do-Liste eingeführt. Das wunderbare Gegenstück zum vollen Kalender.
Und diese Liste wächst. 😊

Darauf stehen zum Beispiel:
❌ Alles selber machen, um die Kontrolle zu behalten.
❌ Ja sagen, obwohl der ganze Körper Nein ruft.
❌ Multitasking, weil es angeblich Zeit spart.
❌ Auch am Wochenende erreichbar sein.
❌ Ohne Pausen durcharbeiten.

Manchmal landet dort auch etwas, das ich für einen bestimmten Tag geplant hatte und dann feststelle: Heute möchte ich das eigentlich gar nicht tun.

Und weißt du was?
Es läuft nicht weg.

Meine Not-To-Do-Liste hilft mir, den Blick auf das Wesentliche zu schärfen, Stress zu reduzieren und Grenzen zu setzen.
Und manchmal ertappe ich mich beim Aufschreiben schmunzelnd dabei, was ich gerade wieder alles zu müssen glaube.

Dann frage ich mich:
Was, wenn ich mir nicht alles glaube, was ich denke?

Die Kunst des Weglassens. 
Ich übe noch. Aber ich bleibe dran.


#Weglassen #Selbstfürsorge #GrenzenSetzen