Gedanke der Woche.
von Melanie J o c h e m – 15. September 2026Wann hast Du eigentlich zuletzt ganz bewusst etwas nicht kontrolliert? Und was ist passiert?
Dieses kleine: „Lass mal, ich mach das eben.“ Kennen wahrscheinlich einige. Es geht schneller. Ich weiß, wie es geht. Dann ist es erledigt und vor allen Dingen: Dann ist es so, wie ich es für richtig halte.
Das gibt es im beruflichen Kontext genauso wie im Privaten. Die Unternehmerin, die dringend Entlastung braucht und doch wieder alles selbst kontrolliert. Die Selbständige, die Aufgaben abgeben könnte und anschließend lieber noch einmal drüberschaut. Und auch im Familienunternehmen. Wer einen Haushalt organisiert, Termine im Kopf hat, einkauft, plant, an Geburtstage denkt, weiß, wann der Hund zum Tierarzt muss und nebenbei noch bemerkt, dass keine Milch mehr da ist, führt im Grunde auch einen kleinen Betrieb.
Und dort funktioniert Kontrolle ganz hervorragend. Bis sie es nicht mehr tut. Ich habe Frauen bis ins hohe Alter erlebt, die ihrem Mann noch erklären, dass er das Geschirr bitte NICHT in die Spülmaschine räumen soll. „Das kannst Du nicht.“ Und meistens folgt irgendwann: „Lass. Ich mach das.“
Wenn ich jahrzehntelang davon überzeugt bin, dass es nur richtig läuft, wenn ich die Dinge selbst in der Hand habe, dann ist Kontrolle irgendwann keine Entscheidung mehr. Dann ist sie meine Art geworden, mich sicher zu fühlen. Ich habe das Zepter in der Hand, ich weiß, was passiert, verhindere (vermeintliche) Fehler, verhindere Enttäuschungen, verhindere vielleicht auch dieses unangenehme Gefühl, nicht zu wissen, wie etwas ausgeht. Nur zu welchem Preis?
Wenn ich nichts abgebe, trage ich alles. Wenn ich niemandem zutraue, es auf seine Art zu machen, bleibe ich für alles zuständig und wenn ich bei jedem Loslassen innerlich unruhig werde, wird aus meiner vermeintlichen Stärke irgendwann ein ziemlich enges Korsett. Vielleicht geht es deshalb beim Loslassen von Kontrolle gar nicht zuerst darum, plötzlich alles abzugeben.
Vielleicht reicht für den Anfang eine viel kleinere Frage: Was glaube ich eigentlich, was passiert, wenn ich es einmal nicht kontrolliere? Wird es wirklich schiefgehen? Oder wird es einfach nur anders gemacht als von mir?
Das ist nämlich nicht dasselbe. Und vielleicht darf der Mann die Spülmaschine tatsächlich einmal vollkommen falsch einräumen. Vielleicht steht danach sogar noch das Haus und vielleicht beginnt genau dort etwas, was viele von uns irgendwann verlernt haben: Nicht alles im Griff haben zu müssen und trotzdem sicher zu sein.
Möglicherweise ist genau das eine Freiheit, die wir uns viel öfter erlauben dürften. Mal den Raum öffnen und geschehen lassen, was passiert. Anderen auch ihre Fehler zuzugestehen und sie durch das Finden der eigenen Lösung nicht an ihrem Wachstum und in ihrer Entwicklung auszubremsen. Und vor allen Dingen, bei sich selbst zu schauen, warum muss ich alles kontrollieren?
Wie erlebst Du dieses Thema?
Von Herzen
Melanie
#WenigerFunktionierenMehrDU