Wir müssen aufpassen, dass wir unseren Kindern nicht die Zuversicht nehmen.

von Friederike von Corratio – 01. September 2026

Ich habe vier Kinder.

Und ich merke gerade etwas an mir selbst:

Meine Zuversicht ist nicht mehr so selbstverständlich wie früher.

Sie ist nicht weg. Aber ich muss manchmal etwas dafür tun, dass sie bleibt.

Mich regulieren. Abstand gewinnen. Mich daran erinnern, dass eine schwierige Gegenwart nicht automatisch eine schlechte Zukunft bedeutet.

Gleichzeitig beobachte ich meine Kinder und andere junge Menschen.

Ich sehe Frustration. Rückzug. Unsicherheit.

Was geben wir Erwachsenen dieser Generation gerade mit?

Die aktuellen Zahlen der COPSY-Studie finde ich eindrücklich:

Mehr als 60 Prozent der Kinder und Jugendlichen berichten von Zukunftsängsten.

70 Prozent sorgen sich wegen Kriegen, 62 Prozent wegen Terrorismus, 57 Prozent wegen wirtschaftlicher Probleme.

Rund 23 Prozent zeigen psychische Auffälligkeiten – mehr als vor Corona.

Das bedeutet natürlich nicht:

Die Erwachsenen sind schuld.

Und Kinder sollen nicht angstfrei aufwachsen.

Im Gegenteil.

Kinder und Jugendliche sollen wütend sein.

Sie sollen rebellieren.

Sie sollen uns für vollkommen bescheuert halten. 😄

Sie sollen sagen:

„Das mache ich später anders.“

Ausprobieren. Grenzen verschieben. Fehler machen. Sich überschätzen. Ideen haben, bei denen wir denken: Das funktioniert doch niemals.

Vielleicht gehört genau das zum Erwachsenwerden:

Die Welt vorzufinden, die wir gebaut haben – und die Chuzpe zu besitzen, sie verändern zu wollen.

Aber dafür braucht es etwas:

Die Vorstellung, dass Veränderung überhaupt möglich ist.

Und ausgerechnet wir Erwachsenen reden sehr viel darüber, was alles nicht mehr funktioniert.

Krieg. Klima. Wirtschaft. Wohnen. Rente. Bildung. Politik. KI.

Vieles davon ist real. Vieles macht auch mir Sorgen.

Aber wenn wir nur noch erschöpft auf diese Welt schauen – was bleibt dann für diejenigen übrig, die sie nach uns gestalten sollen?

Die Forschung zeigt auch Schutzfaktoren:

Optimismus. Zuversicht. Verlässliche Beziehungen. Soziale Unterstützung.

Wir müssen unseren Kindern deshalb nicht erzählen:

„Alles wird gut.“

Das wissen wir nicht.

Vielleicht reicht:

„Ich weiß nicht, wie es wird. Aber ich glaube daran, dass du etwas daraus machen kannst.“

Und dafür lohnt der Blick auf unsere eigene Angst:

Ist das wirklich die Aussicht meines Kindes auf seine Zukunft?

Oder ist es meine Aussicht auf seine Zukunft?

Für mich bedeutet Raum für Veränderlichkeit auch:

Nicht nur darauf zu achten, welche Welt wir der nächsten Generation hinterlassen.

Sondern welches Gefühl für diese Welt wir ihnen mitgeben.

Kinder brauchen keine perfekte Welt. Und keine Erwachsenen ohne Angst.

Aber vielleicht müssen wir ihnen etwas Entscheidendes übriglassen:

genug Zuversicht, um daran zu glauben, dass es sich lohnt, die Dinge anders zu machen.

Danke Silke Müller für Deine Sorge für die nächste Generation.

Zum Nachlesen hier der Link zur Studie: https://lnkd.in/dP4BtwRf