„Das war damals eben vernünftig.“

von Melanie J o c h e m – 06. November 2026

Mir fällt auf, wie oft Frauen ihre Berufswahl erklären, bevor ich überhaupt danach gefragt habe. „Das war damals eben sicher.“ oder „Meine Eltern fanden das vernünftig.“ oder „Irgendwas Solides musste ich ja lernen.“

Solche Sätze begegnen mir immer wieder in Gesprächen. Und manchmal frage ich mich, warum wir eigentlich das Bedürfnis haben, unseren beruflichen Weg zu erklären. Als müssten wir ihn nachträglich noch einmal legitimieren.

Ich kenne das übrigens auch von mir. Meine Eltern sagten damals zu mir: „Kind, mach was Vernünftiges. Geh in die Lehre.“ Mein Vater war Kaufmann. Also lag es vermutlich nahe, dass ich eine kaufmännische Ausbildung machen sollte. Und so wurde ich Industriekauffrau.

Die erste Hälfte meines Berufslebens verbrachte ich im kaufmännischen Bereich.
Bin ich deshalb unzufrieden mit dieser Entscheidung? Nein, nicht wirklich. Im Gegenteil. Ich bin dankbar für das, was ich dort gelernt habe. Viele dieser Kenntnisse helfen mir bis heute – auch in meinem Coaching und in meiner therapeutischen Arbeit.

Und trotzdem bleibt da manchmal dieses kleine Fragezeichen.
Was wäre eigentlich gewesen, wenn ich damals anders entschieden hätte?
Wenn ich nicht zuerst gefragt hätte, was vernünftig, sicher oder erwünscht ist, sondern was mich wirklich interessiert?
Hätte ich mir einen anderen Weg zugetraut?

Vielleicht steckt genau hinter diesen Erklärungen, die wir so selbstverständlich abgeben, eine viel leisere Frage: Hätte ich auch anders gedurft?

Und weißt Du was? Ja. Hättest Du. Und das gilt nicht nur rückblickend für die 20-Jährige, die Du einmal warst. Das gilt auch heute noch. Mit 50 oder 60 muss es vielleicht nicht gleich ein komplett neuer Beruf sein. Nicht jede Veränderung braucht eine Kündigung, eine Umschulung oder einen radikalen Neustart. Manchmal beginnt sie viel kleiner.

Mit einem anderen Blick auf das, was Du bisher getan hast. Mit der Erlaubnis, eigene Interessen wieder ernst zu nehmen. Oder mit dem Mut, nicht länger nur das zu tun, was vernünftig erscheint. Denn Dein bisheriger Berufsweg ist kein Vertrag, an den Du für den Rest Deines Lebens gebunden bist.

Du darfst ihn wertschätzen und trotzdem neue Fragen stellen.
Und vielleicht ist genau das ein Teil von Weniger Funktionieren. Mehr DU.

Jetzt interessiert mich: Welchen Satz sagst Du über Deinen Berufsweg, bevor Dich überhaupt jemand danach fragt?

Und was würdest Du heute vielleicht anders entscheiden?
Ich freue mich, von Dir zu lesen, denn ich lese jeden Kommentar persönlich.

Weniger Funktionieren. Mehr DU.
Von Herzen
Melanie

#WenigerFunktionierenMehrDU